Ü20-Photovoltaik-Anlagen

Am 31.12.2020 läuft der vom Gesetzgeber im EEG festgelegte Förderzeitraum für PV-Anlagen, die bis zum 31.12.2000 in Betrieb genommen wurden, aus.
Deutschlandweit sind zunächst Anlagen mit einer Gesamtleistung von 114 MW betroffen. Alleine bei uns im Saarland fallen in diesem Jahr 356 PV-Anlagen aus dem Förderprogramm. Vieler dieser Anlagen werden mit dem Ablaufen der Einspeisevergütung ihre technische Leistungsfähigkeit jedoch noch nicht verlieren. Im dem folgenden Artikel werden häufig gestellte Fragen der Anlagenbetreiber beantwortet. Der Artikel bezieht sich auf ein Gutachten, welches vom Solarenergie Förderverein Deutschland e.V. (kurz SFV) durchgeführt wurde.[1]

1.    Wie sieht die aktuelle Rechtslage für die betroffenen Ü20-PV-Anlagenbetreiber aus?

  • Anlagenbetreiber erhalten für bis zum 31.12.2000 in Betrieb genommene PV-Anlagen nur noch bis zum 31.12.2020 eine Einspeisevergütung (vgl. §9 Abs. 1 EEG 2000).
  • Ü20-PV-Anlage unterliegt auch nach Ablauf des Förderzeitraums den EEG-Vorschriften.
  • Der Anspruch auf Netzanbindung bleibt bestehen.
  • Nach aktueller Rechtsgrundlage besteht kein Anspruch darauf, dass der Netzbetreiber den Strom im Falle der Einspeisung mit dem Monatsmarktwert vergütet.
  • Der Netzbetreiber ist nur dann zur Abnahme verpflichtet, wenn der Anlagenbetreiber den Strom direkt vermarktet.

2.    Welche Möglichkeiten hat der Anlagenbetreiber nach Ablauf des Förderzeitraums?

Der Betreiber einer Ü20-PV-Anlage hat folgende Möglichkeiten:[2]

  1. Eigenversorgung
  2. Sonstige Direktvermarktung

Die beiden aufgeführten Möglichkeiten werden nachfolgend erläutert.

2.1.  Eigenversorgung

2.1.1.    Wie gestaltet sich die Eigenversorgung?

Unter den aktuellen rechtlichen Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, den Strom der Ü20-PV-Anlagen ganz oder in Teilen selbst zu nutzen. Die Einspeisung von Reststrom ist jedoch ohne festen Vertragspartner nicht möglich, da die Netzbetreiber nicht verpflichtet sind, den Strom abzunehmen. Es besteht weder die Möglichkeit des Verzichtes auf finanzielle Abgeltung der eingespeisten Strommenge noch ein Anspruch auf Erstattung eines Marktpreises.

Anlagenbetreiber müssen also sicherstellen, dass kein Solarstrom in das öffentliche Stromnetz gespeist wird. Überproduzierte Strommengen müssen also vom Betreiber verworfen bzw. abgeregelt werden. Sinnvoll ist daher die Erhöhung des genutzten Eigenverbrauchs des PV-Stroms. Dies kann durch internes Lastmanagement[3] oder/und durch Zusatzinvestitionen z.B. in einen Stromspeicher, eine Wärmepumpe, die Integration einer Ladestation für Elektromobilität oder die elektrische Wärmeproduktion geschehen.

Anlagenbetreiber müssen für den verbrauchten Eigenstrom laut dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz 40% der EEG-Umlage entrichten.

2.1.2.       Welche technischen Umbaumaßnahmen sind für den Eigenstromverbrauch nötig?

Zur Umrüstung der Ü20-PV-Anlage für den Eigenverbrauch sind einige technische Umbaumaßnahmen nötig. Bei der EEG-Volleinspeisung war ein eigener Einspeisezähler verbaut, über den der gesamte Strom in das öffentliche Stromnetz eingespeist wurde. Dieser Zähler kann nun entfallen und ausgebaut werden. Die Verkabelung kann entfernt werden. Anstelle des Einspeisezählers kann ggf. ein interner Erzeugungszähler installiert werden, der die eigenen PV-Erträge erfasst. Im Zählerschrank der Hausversorgung muss jedoch ein Zählertausch mit entsprechender Umverkabelung des Zählerschrankes erfolgen. Der bisherige Zähler, der den Hausverbrauch misst, wird dabei (wenn nicht bereits geschehen) durch einen Zweirichtungszähler ersetzt.

Die AC‐Seite (Wechselstrom-Seite) der PV‐Anlage wird nun an das Hausnetz angeschlossen, so dass die PV‐Anlage die Verbraucher im Gebäude versorgt.

Soll der Eigenverbrauch z.B. durch einen Stromspeicher erhöht werden, so wird in der Regel der Austausch des bisherigen Zählerschranks erforderlich sein um zwischen PV-Anlage und Stromspeicher einen regelungstechnischen Anschlusspunkt herzustellen.

2.2.          Sonstige Direktvermarktung

2.2.1.      Wie funktioniert die „sonstige Direktvermarktung“?

Das aktuelle EEG sieht für Betreiber ausgeförderter PV-Anlagen vor, in das Modell der „sonstigen Direktvermarktung“ zu wechseln, wenn sie den Strom weiterhin in das öffentliche Stromnetz einspeisen wollen. Dazu müssen die Betreiber aktiv einen Letztverbraucher oder ein Vermarktungsunternehmen wählen, welches den Strom abnimmt.

Die Wahl des Bezugskunden, die Erfassung der IST-Einspeisung, der Abgleich von Stromerzeugung und Verbrauch sowie die Abrechnung mit dem Abnehmer erfolgen durch den Anlagenbetreiber.

Der Marktwert des eingespeisten Stromes bestimmt dann, ob sich die sonstige Direktvermarktung für den Anlagenbetreiber lohnt. Bis zum Jahr 2022 geht man von 4,5 Cent pro KW aus. Weitere Kosten wie die Vermarktungsentgelte, die Fernsteuerbarkeit der Anlagen und die Viertelstundenmessung werden anfallen, um die sonstige Direktvermarktung umsetzen zu können.

Wenn Strom an Dritte verkauft wird, werden Anlagenbetreiber zum Energieversorgungsunternehmen. Es ist abzusehen, dass die daraus erwachsenen Pflichten von Privatpersonen, die in aller Regel ohne juristisches und energiewirtschaftliches Grundverständnis agieren, schwer umgesetzt werden können.

Im sogenannten „Peer-to-Peer“ (kurz P2P) Stromhandel wird sich (zumindest in naher Zukunft) nichts Wesentliches entwickeln, da zu vermuten ist, dass Handelsteilnehmer sowohl Stromlieferanten als auch Strombezugskunden mit der Einhaltung bestimmter regulatorischer und organisationstechnischer Regeln wie z.B. Messpflichten nach MsbG, Meldepflichten (§ 74 EEG), EEG‐Umlagepflichten (§ 60 EEG) sowie der Stromsteuerabführung (§5 Abs. 1 StromStG) überfordert sind. Weiterhin müssen alle P2P‐Teilnehmer die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit erfüllen, die auch von Energieversorgungsunternehmen erwarten werden. Das fluktuierende Angebot von solarer Strahlungsenergie kann ohne hinreichende Dimensionierung von Kurz‐ und Langzeitspeichern keine zuverlässige Lieferung von Solarstrom zu jeder Stunde des Jahres bewerkstelligen.

3.    Ist der Weiterbetrieb der Ü20-Anlagen wirtschaftlich möglich?

Nach aktueller Rechtslage (aktuellem EEG) ist der wirtschaftliche Weiterbetrieb von kleinen Ü20-PV-Anlagen um 2 kWp-Leistung nicht möglich. Dies geht aus einer Studie des SFV vom März 2020 hervor. Mittelgroße Anlagen um die 5 kWp-Leistung, können nach dem Eigenversorgungsprinzip (ohne Stromspeicher) wirtschaftlich weiter betrieben werden. Größere Anlagen ab 30 kWp-Leistung könnten sowohl nach dem Eigenversorgungsprinzip (mit und ohne Speicher) als auch nach dem Prinzip der sonstigen Direktvermarktung prinzipiell wirtschaftlich weiterbetrieben werden.

4.    Ausblick

Aktuell wird untersucht, ob mit Hilfe von Smart Meter Erzeugerpools geschaffen werden können, bestehend aus PV-Anlagen und Speichern. Ob Anlagenbetreiber in Ökostromtarife einbezogen werden können, wird aktuell von vielen Stromanbietern untersucht. Bis zum Jahr 2025 werden nur rund 2 GW Leistung aus der Förderung entfallen. Die fehlende ökonomische Attraktivität zum Weiterbetrieb kleinerer Ü20-PV-Anlagen bleibt durchaus bestehen. Anlagenbetreiber, die von dieser Problematik betroffen sind, können hoffen, dass die Politik wesentliche Lösungsmaßnahmen ergreifen wird, um funktionsfähige Ü20-PV-Anlagen weiter als wichtigen Bestandteil der Energiewende zu erhalten.


[1] Solarenergie Förderverein Deutschland e.V. (2020), Kurzgutachten März 2020 „Leistungen und Kosten beim Weitervertrieb von PV-Altanlagen“

[2] Anmerkung: Die „Erstattung vermiedener Netznutzungsentgelte“ wurde ab dem 1.1.2020 für Einspeisung volatiler Erzeugungsanlagen aufgehoben und wird daher nicht erwähnt. Ebenso werden Herkunftsnachweise und Regionalnachweise nicht weiter betrachtet, da diese nach aktueller Rechtslage nicht möglich sind oder sich insbesondere für PV-Kleinanlagen nicht wirtschaftlich darstellen. Der Inselbetrieb von PV-Anlagen wird aufgrund geringer Umsetzungschancen (hohe Kosten und Einschränkung für die Versorgung einzelner Verbraucher) ebenfalls nicht weiter betrachtet.

[3]Internes Lastmanagement: Zeitlich verschiebbare Lasten werden möglichst dann betrieben, wenn die PV-Anlage Strom produziert (Elektrische Verbraucher wie z.B. Waschmaschine und Wäschetrockner).