Rückblick Veranstaltung „Elekromobilitäts-Tag Saarland 2020“

Wie steht es um die Elektromobilität im Saarland, was sind die aktuellen Herausforderungen, welche Fördermöglichkeiten gibt es und wie gehen andere mit dem Thema um? Beim ersten Elektromobilitäts-Tag Saarland am 3. Dezember 2020 folgten rund 70 Teilnehmer der Einladung der Leitstelle Elektromobilität der IZES gGmbH und der ARGE SOLAR e.V. in Kooperation mit dem Interreg-Projekt GReENEFF. Sie konnten sich einen umfassenden Überblick über den Stand der Technik, aktuelle Entwicklungen, Fördermittel und regulatorische Rahmenbedingungen sowie Good practice im Saarland verschaffen und darüber hinaus eine Blick nach Luxemburg werfen, wo der Elektromobilität ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt wird.

In seinen Grußworten skizzierte Arno Minn, Vorstandsvorsitzender der Arge Solar und technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Dillingen die Aufgaben, denen sich kommunale Akteure stellen müssen. Er betonte, dass angesichts der finanziellen Belastungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur auch die Entwicklung entsprechender Geschäftsmodelle eine große Herausforderung sei. Sabine Keinath, Referentin für Grundsatzfragen der Mobilität, Verkehrspolitik und Verkehrsrecht im saarländischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr lobte diese Initiativen und wies auf Unterstützungsangebote des Landes hin.

Nach einführenden Worten von Arge Solar-Geschäftsführer Ralph Schmidt stellte Dr. Michael Brand, IZES gGmbH, die aktuellsten Statistiken zur Elektromobilität im Saarland im bundesdeutschen Vergleich dar. Es wurde deutlich, dass im Saarland – immerhin dem Bundesland mit dem höchsten Kfz-Bestand pro Kopf – der Anteil der E-Autos mit 0,75% gegenüber 1,3% im Bundesdurchschnitt vergleichsweise gering ist. Die Ladeinfrastruktur ist im Aufbau. Sie entspricht – nicht zuletzt aufgrund der geringen Zahl von E-Autos – mit 125 Ladepunkten (2020) aber in etwa dem Ziel der einschlägigen EU-Richtlinie. Offen sei, wie sich das Saarland in Sache Elektromobilität in Zukunft präsentieren werde: Die bedeutende Autozulieferindustrie sei bislang einseitig auf konventionelle Technologien ausgerichtet und das Land setze auch auf eine Zukunft als Wasserstoffregion du damit auf eine konkurrierende Technologie. Allerdings bestehe Hoffnung, dass die Ansiedlung der chinesischen SVolt-Batteriefabrik wichtige Impulse für den E-Mobilitätsstandort Saarland setze.    

Lisa Mildenberger von der Leitstelle Ladeinfrastruktur bei der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH) präsentierte mit dem „Masterplan zum Ausbau der Ladeinfrastruktur“ einen wesentlichen Baustein der E-Mobilitätsstrategie der Bundesregierung sowie das damit verbundene Förderportfolio einschließlich der nach der ersten Revision zu erwartenden Änderungen.

Martin Altmeier von der Stadtwerke Saarbrücken Netz AG erläuterte die technischen Voraussetzungen für die Bereitstellung einer ausreichenden Ladeinfrastruktur auf Ebene der Verteilnetze, bevor Stephen Rink von den Stadtwerken Saarlouis über ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu den erforderlichen kleinteiligen Anpassungen im Bereich der Niederspannungsnetze berichtete. Problematisch sei mit zunehmender Nachfrage durch E-Automobile nicht die Bereitstellung der Strommenge an sich, sondern die Schwankungen und insbesondere die Gefahr von Überlastungen bei Nachfrage-Peaks. Intelligente Energiemanagementlösungen auf der Basis von Echtzeit-Messungen des Netzzustands, die zurzeit überall in Entwicklung seien, können hier Abhilfe schaffen.    

Im Praxisteil hatten weitere Vertreter der kommunalen Ebene das Wort:  Guillem Tänzer von den Stadtwerken Saarlouis, Werner Bohrer und Sascha Bös von der Stadtwerke Völklingen Vertrieb GmbH und Christian Bersin von der Landeshauptsstadt Saarbrücken schilderten ihre Erfahrungen mit dem Aufbau der Elektromobilitäts-Infrastruktur. Sie zeigten, dass von der Konzeption bis zur Umsetzung ein schwieriger Weg zurückzulegen ist, bei dem oft Neuland betreten werden muss.

Aus Luxemburg referierte schließlich Fenn Faber, strategischer Direktor der staatlichen Energieagentur My Energy G.I.E., über die Entwicklung der Elektromobilität im Großherzogtum sowie die breite Palette staatlicher Anreize in Form von Förderprogrammen, Informations-Tools und dem interessante Vergleichsportal „carboncounter.lu“, welches einen Vergleich der am Markt verfügbaren Kfz-Modelle ermögliche. 

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Stephan Schulte, IZES gGmbH, einen Einblick in das Forschungsprojekt „OptiCharge+ – Effizienzsteigerung und Optimierung einer regenerativ versorgten Ladeinfrastruktur“. Die Testanlage besteht im Wesentlichen aus PV-Anlage, Vanadium-Redox-Flow-Batterie, DC-Micro-Grid, drei AC-Ladesäulen, einer DC-Schnellladesäule sowie einer untergeordneten Li-Ionen Batterie.  Die Anlage wird durch ein Energiemanagementsystem mit dem Ziel gesteuert, einen möglichst großen Anteil zur Verfügung stehender regenerativer Energie für die Ladung der Fahrzeugbatterien zu nutzen.

Das erfolgreiche Konzept des Elektromobilitäts-Tag Saarland hat sich bewährt. Das Format soll voraussichtlich am Jahresende 2021 fortgesetzt werden.