Engagement im kommunalen Klimaschutz zahlt sich aus

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert auf Basis der sogenannten "Kommunalrichtlinie" auch Klimaschutzprojekte in Kommunen. Für die Stadt Püttlingen hat sich das Engagement gelohnt.

Die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes wurde mit 85 Prozent über die Nationale Klimaschutzinitiative gefördert und dient als Basis für zukünftige Maßnahmen im kommunalen Klimaschutz.

Püttlingen im Saarland hat sich bereits vor einigen Jahren den kommunalen Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Seitdem wurden z.B. Photovoltaikanlagen auf Schulgebäuden und anderen städtischen Liegenschaften sowie Freiflächen installiert. Außerdem wurden kommunale Einrichtungen energetisch saniert und durch den Einbau hocheffizienter Heizungsanlagen modernisiert. In Zukunft soll der kommunale Klimaschutz in Püttlingen ganzheitlich fortgeführt werden und zwar auf Grundlage eines im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums geförderten integrierten Klimaschutz-Konzeptes.

Püttlingen liegt im Köllertal, etwa 15 Kilometer nordwestlich der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Gemeinde existiert bereits seit dem Mittelalter, 1968 wurde Püttlingen schließlich zur Stadt erhoben. Vor allem im letzten Jahrhundert war die Stadt vom Bergbau in der Region geprägt. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei, die Schlote der Montanindustrie rauchen nicht mehr und in Püttlingen steht statt fossiler die Erzeugung erneuerbarer Energien im Fokus.

Pragmatischer Beginn im Klimaschutz

In Sachen Klimaschutz ist Püttlingen kein „Einsteiger“ mehr, sondern schon seit einigen Jahren aktiv. Die Anfänge der Bemühungen waren dabei zunächst eher ökonomischer und weniger ökologischer Natur, denn es galt die Ausgaben für den Energiebedarf der städtischen Infrastruktur durch eine effizientere Nutzung zu reduzieren sowie alternative Energiequellen zu nutzen. Eine angespannte Haushaltslage – die viele Kommunen in Deutschland kennen – sowie die stetig steigenden Energiepreise machten diese Anstrengungen notwendig. Ein letztlich pragmatischer Ansatz, der dennoch sehr positive ökologische Effekte durch die Reduzierung der Treibhausgasemission mit sich brachte. Neben den finanziellen Anreizen waren aber auch die Vorbildfunktion gegenüber den Bürgerinnen und Bürger sowie die erhöhte Wohn- und Lebensqualität gewichtige Gründe für die Stadt, im kommunalen Klimaschutz aktiv zu werden.

Bisher lag das Hauptaugenmerk der Klimaschutzbemühungen in Püttlingen in den Bereichen Energie-Effizienz und Erneuerbare Energien. So wurden schon alle Grundschulen und Kitas sowie mehrere Mehrzweckhallen und Verwaltungsgebäude energetisch saniert und modernisiert. Außerdem setzte man in Püttlingen zahlreiche Photovoltaik (PV) Projekte auf öffentlichen Gebäuden um und informierte die Bürgerinnen und Bürger über die Nutzung von privaten Häusern als PV-Standort.
Dazu wurde vom Regionalverband Saarbrücken ein Solarkataster für private Dächer entwickelt und der Stadt zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus errichtete die Stadt Püttlingen in eigener Trägerschaft großflächige Solaranlagen auf einer ehemaligen Sandabbaufläche und verpachtet städtische Gebiete auf einer Konversionsfläche zur Nutzung einer privaten Freiflächen-Solaranlage (derzeit in Püttlingen öffentlich und privat installierte PV –Gesamtleistung 11,04 MWp).

Auch im Bereich Elektro-Mobilität setzt man in Püttlingen auf den Fortschritt und schaffte im Jahr 2012 zwei elektrisch betriebene Einsatzfahrzeuge für den kommunalen Ordnungsdienst und den technischen Dienst an. Ökonomie und Ökologie gingen auch hier wieder Hand in Hand, denn von der Anschaffung erhofft sich die Stadtverwaltung - neben der Verringerung des Treibhausgasausstoßes - auch deutlich geringere Betriebskosten als bei einem herkömmlichen Auto. Inzwischen laufen insgesamt sieben Fahrzeuge im städtischen Fuhrpark mit Strom statt mit Benzin und tragen so zu einer Verbesserung der CO2- Bilanz bei.
Finanziert wurden diese - beispielhaft aufgeführten - Maßnahmen sowohl mit Eigenmitteln der Stadt als auch durch verschiedene Förderprogramme auf unterschiedlichen Ebenen.

Integriertes Klimaschutz-Konzept als ganzheitlicher Ansatz

Die dargestellten Projekte verdeutlichen: Püttlingen und Klimaschutz – das passt! In den nächsten Jahren soll dem Klimaschutz in Püttlingen eine noch bedeutendere Rolle zukommen. Die gesetzten Ziele der Treibhausgas-Reduzierung lassen sich am besten bewältigen, wenn die Klimaschutz-Aktivitäten alle relevanten Bereiche umfassen und aufeinander abgestimmt werden. Im April 2014 legte die Stadt dazu ein integriertes Klimaschutz-Konzept vor, welches über die „Kommunalrichtlinie“ im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesumweltministerium gefördert wurde.

Die Initiative zur Antragsstellung ging von der Kommune selbst aus. Der Eigenbetrieb Technische Dienste war dabei die koordinierende Stelle und ist für Fördermöglichkeiten im kommunalen Klimaschutz zuständig. Mit der ARGE Solar e.V. Saar nahm die Stadt externe Expertise mit an Bord, gemeinsam wurde der Antrag erarbeitet und beim Projektträger Jülich eingereicht.

Nach Bewilligung der Förderung wurde die ARGE Solar e.V. Saar mit der Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes beauftrag. In enger Abstimmung mit der Stadt Püttlingen als Auftraggeber und in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) gGmbH und dem Verkehrsplanungsbüro Axel Thös Planung (ATP) wurde das Konzept zwischen Januar 2013 und April 2014 entwickelt. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt wurden bereits während der Konzepterstellung im Rahmen von öffentlichen Werkstätten angesprochen.

In Etappen zum Ziel

Mit Hilfe des integrierten Ansatzes soll der Klimaschutz in Püttlingen in allen Bereichen etabliert und verfestigt werden. Dazu wurde zunächst in einer Bestandsanalyse die gesamte CO2-Emission in Püttlingen ermittelt. Mit Hilfe der anschließenden Potentialerhebung konnten insgesamt 34 Maßnahmen für den Klimaschutz identifiziert werden. Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, sieht das Konzept eine Priorisierung in sofortige, kurz- (innerhalb der nächsten zwei Jahre), mittel- (zwei bis zehn Jahre) und langfristige (zehn bis zwanzig Jahre) Strategien und Maßnahmen vor. So kann Schritt für Schritt eine konkrete Umsetzung in einzelnen Etappen erfolgen.

Die Querschnittsbereiche sind dabei Energieeinsparung und Energieeffizienz, Mobilität und Verkehr, Erneuerbare Energien und Öffentlichkeitsarbeit. Für die Gewichtung der einzelnen Klimaschutzmaßnahmen wurde eine Bewertung nach den Kriterien Wirtschaftlichkeit, Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie Akzeptanz und Bedeutung durchgeführt. Diese Gewichtung ergab, dass u.a. die Gründung einer Bürger-Energie-Genossenschaft, der Ausbau von PV-Anlagen auf Großgebäuden sowie eine Informationsplattform für die Einbindung der Bevölkerung in den kommunalen Klimaschutz in Püttlingen oberste Priorität haben und somit vorrangig angegangen werden. Zu allen drei Maßnahmen gibt es in Püttlingen derzeit Initiativen.

Engagement zahlt sich aus

Die Stadt Püttlingen zeigt seit Jahren großes Engagement im kommunalen Klimaschutz, wenn auch zu Beginn der Klimaschutz-Aktivitäten eher aus der Not eine Tugend gemacht wurde und ökonomische Engpässe zumindest indirekt zu einer ökologischeren Denkweise geführt haben. Mit viel Eigeninitiative wurden zahlreiche Klimaschutzprojekte realisiert und damit gezeigt, dass es auch für kleinere Städte viele Möglichkeiten gibt, kommunalen Klimaschutz zu betreiben.

Mit dem integrierten Klimaschutzkonzept steht der Stadt Püttlingen nun ein hilfreiches Instrument für einen zukunftsweisenden Klimaschutz mit breitgefächertem Ansatz zur Verfügung. Die Erarbeitung des Konzeptes war – gerade für eine kleinere Stadt wie Püttlingen – sehr arbeits- und zeitintensiv und ohne externe Unterstützung nicht zu stemmen. Doch in Püttlingen hat man keine Mühen gescheut und wurde dafür belohnt: die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes wurde mit 85 Prozent über die Nationale Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Bau, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

Quelle: BMUB / http://www.klimaschutz.de/



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