Viele Infos und spannende Einblicke bei der 4. und letzten Veranstaltung der Zukunfts-Energietage 2015/2016 der Stadtwerke St. Ingbert

Dreh- und Angelpunkt der letzten Veranstaltung der Reihe „Zukunfts-Energietage 2015/2016 der Stadtwerke St. Ingbert“ waren moderne Raumheizsysteme. 14 Architekten, Energieberater und Installateure kamen am 5. April 2016 in das Ausbildungs-  und Schulungszentrum der Schornsteinfeger-Innung für das Saarland nach Rohrbach.

Hausherr Landesinnungsmeister Harald Becken gemeinsam mit seinem Stellvertreter Heinz Detlev Puff und Jürgen Altmaier von den Stadtwerken St. Ingbert begrüßten die Anwesenden. Ralph Schmidt für die Landeskampagne Energieberatung Saar dankte Herrn Becken für die Einladung in das erst kürzlich modernisierte Ausbildungs- und Schulungszentrum Schornsteinfeger-Innung und dankte den Stadtwerken für deren Engagement und Angebot der Veranstaltungsreihe. „Die gute Nachfrage und die wiederkehrende Teilnahme einiger Architekten und Energieberater zeigt, dass das Angebot, die Fachinformationen in der heutigen Zeit immer noch gewünscht sind und dass solche Fortbildungsangebote weiterhin gebraucht werden. Die Stadtwerke vor Ort sind dafür die idealen Partner, da sie nahe an den Kunden sind. Der Umstand, dass das Ausbildungs- und Schulungszentrum Schornsteinfeger-Innung für das Saarland auch in Rohrbach ist, passt ideal dazu“, so Schmidt.

Der Referent des Nachmittages, Stefan Müllers, Fach-Ingenieur und Kundenberater von Viessmann Deutschland, ging zu Beginn ging auf aktuelle die aktuelle Förderkulisse des Bundes ein. Er gab eine Übersicht über die Förderprogramme der KfW und des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und stellte die wesentlichen Neuerungen und Verbesserungen, aber auch die Komplexität der Förderkulisse, vor. „Viele Kunden haben die neue, veränderte, verbesserte Förderkonditionen noch nicht mitbekommen, oder wenn überhaupt, dann nicht verstanden oder können sich und ihren Situation darin nur schwer wiederfinden. Die Handwerksbetriebe und vor allem die Endkunden sind oftmals mit der Fülle und Komplexität der Förderprogramme überfordert“ so Müllers.

Ralph Schmidt wies an dieser Stelle auf das passende Angebot der Landeskampagne Energieberatung Saar hin „Hier helfen der Förderlotse und der Förderratgeber der Kampagne Energieberatung Saar weiter. Über die Hotline der Energieberatung Saar (0681/501-2030) können sich Hausbesitzer und Handwerksbetriebe zu den vielfältigen Förderprogrammen während der Servicezeiten (von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr) kostenlos beraten lassen. Die Stadtwerke St. Ingbert, die auch Partner der Landeskampagne sind, unterstützen diese Angebote und sind der erste Ansprechpartner für Kunden“.

Im zweiten Teil ging der Referent auf die Technik moderner Wärmeerzeugertechnik ein. Heute gibt es eine immens große Bandbreite an Wärmeerzeugern, sowohl von der Heizleistung –  von 1 kW bis 120000 kW – und vom Energieträger – von Erdgas und Heizöl, über Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpen von 1,7 kW-2000 kW oder Nahwärmenetzen mit allen Arten von Energieträgern. Alle verfügbaren Typen wurden praxisnah vorgestellt und im Vergleich zueinander diskutiert. Ganz neu sind Gas-Adsorptionsheizgeräte mit einem zeolithbeschichteten Wärmemodul (unter Vakuum, wartungsfrei), das von einer solarthermischen Anlage oder über Erdwärmetauscher als Wärmequelle versorgt wird. Die Anlage arbeitet laut Hersteller mit einem sehr hoher Gesamtjahreswirkungsgrad von 130% (was einer Arbeitszahl von 1,3 entspricht) und liegt preislich im Bereich einer hochwertigen Wärmepumpenanlage.

Außerdem auf dem Vormarsch und interessant sind sogenannte „Hybridgeräte“ mit einer Kombination aus Brennwert-Gerät und Splitt-Wärmepumpe. Dabei arbeitet jede der beiden Komponenten in ihren jeweiligen optimalen Arbeitsbereich (z.B. Wärmepumpe bis +4 Grad, darunter läuft Brennwert-Gerät).

Insbesondere bei energiesparenden Bürogebäuden steht immer mehr das Thema effiziente Kühlung im Sommer statt Heizen im Winter im Fokus. Hybridgeräte oder Bivalente Systeme kommen immer mehr, weil mit diesen auch auf Veränderungen bei Energieträgerkosten oder Änderungen beim Energiebedarf mit dem vorhandenen Gerät reagiert werden kann. Thermische Solaranlagen finden in den letzten Jahren zunehmend neue Anwendungsgebiete z.B. bei Großobjekten oder beim Einsatz von Absorptionskälteanlagen. Bei der Auslegung von größeren thermische Solaranlagen sollte man aber genauer hinschauen und diese passend zum Bedarf berechnen und nicht eine Auslegung aufgrund gesetzlicher Vorgaben z.B. aus dem EEWärmeG betreiben. Im Bereich der Mikro-KWK gibt es je nach Wärmebedarf des Hauses zwei aktuelle Typen: für Gebäude mit >= 20.000kWh gibt es Mikro-KWK-Geräte mit Stirlingmotor und Gas-Brennwertgerät (z.B. das Vitotwin 330 mit 1kW elektrisch, 6kW thermisch – Gesamtheizlast sollte so ca. > 25kW sein), oder für Neubauten mit geringem Wärmebedarf gibt ein Mikro-KWK-Gerät PEMFC-Brennstoffzellen Heizgerät mit Brennstoffzellenmodul und Gas-Brennwertgerät (z.B. Vitovalor 300 mit 700 W elektrisch, 1kW thermisch). Die Lebenserwartung der Brennstoffzellen Heizgeräte wird mit ca. 6-10 Jahren für die Brennstoffzelleneinheit angegeben.

Entscheidend ist derzeit immer noch die wärmegeführte Variante (mit Spitzenlastkessel), d.h. Mikro-KWK deckt die thermische Grundlast des Gebäudes ab. Zukünftig wird die stromgeführte Variante an Bedeutung in einem intelligenten Stromnetz relevant, um Grundlaststromverbrauch im Haus abzudecken oder das Angebot an fluktuierenden erneuerbaren Energien auszugleichen.

Zum Abschluss ging Stefan Müllers noch auf die Ökodesign-Richtlinie (gilt für Raumheizgeräte bis zu 400kW) und die Energieverbrauchs-Kennzeichnungspflicht (ErP-Labelpflicht für Raumheizgeräte bis zu 70kW), die zeitgleich für Raumheizgeräte (Gas und Öl) und Warmwasserspeicher zum 25.9.2015 eingeführt wurde ein. Die Labelpflicht gilt dabei für Einzelprodukte und Verbundprodukte.

Nach einer kleinen Stärkung führte Werner Wiesen, technischer Landesinnungswart der Schornsteinfeger-Innung, die Teilnehmer durch das neu ausgestattete Ausbildungs- und Schulungszentrum der Innung. Hier wurden alle verfügbaren und alle modernen Heizungstechniken, vom Einzelofen über Brennwertgeräte, Anthrazitkessel über Pelletkessel und Wärmepumpe bis hin zum Mikro-KWK mit Stirlingmotor verbaut. Herr Wiesen stellte eindrucksvoll dar, wie damit und in Verbindung mit den modernen Schulungsräumen eine fundierte Aus- und Fortbildung der Gesellen und Meister bei der Innung selbst gewährleistet wird. Alle Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt und interessiert, was sich auch daran zeigte, dass die Veranstaltung deutlich später endete als eigentlich vorgesehen.

Andreas Kiemle, Architekt und Teilnehmer an allen Veranstaltungen der Zukunftsenergietage brachte es auf den Punkt „solche Veranstaltungen und interessanten Angebote brauchen wir Planer, um die vielen Neuerungen und Veränderungen im Bereich der Energieeffizienz in unseren Berufsalltag einbringen zu können. Das ich damit auch die benötigten Fortbildungspunkte erhalten kann und das hier vor Ort, organisiert und finanziert über die Stadtwerke, macht das Angebot für mich perfekt“. Herr Kiemle und die anderen Teilnehmer dankten den Veranstaltern und freuen sich schon auf die Fortsetzung der Zukunfts-Energietage der Stadtwerke St. Ingbert.

(Fotos: Ralph Schmidt, ARGE SOLAR)

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